Sonntag, 21. Juni 2015

Griechisch – ein Privileg der Oberschichten?



Eine interessante Perspektive auf das Fach Griechisch (und Latein): Die Ausbildung in classics hat in England auch Tradition als soziales Segregationsmittel. Warum das so ist, und warum das schlecht ist, erklärt Edith Hall in The Guardian.

Freitag, 12. Juni 2015

Die Portalfiguren

Die Portal-Figuren

Wenn man vor dem imposanten Portal des Basler Münster steht, fallen einem sogleich die vier lebensgrossen Figuren rechts und links davon auf. Doch ihre Bedeutung erschliesst sich einem nicht sogleich.

Ganz links steht Kaiserin Kunigunde, sie hat ein Kreuz in den Händen. Dieses hat sie erst während der Renovation um 1880 bekommen,  vorher hielt sie Handschuhe. Ihr Haupt wird von Schleier und Krone geschmückt. Neben ihr steht ihr Ehemann, Kaiser Heinrich II.. Er ist ungewohnt jung und bartlos dargestellt. Auf dem Arm trägt er ein Modell einer Kirche, das eindeutig auf seine Rolle als Stifter hinweist. In der linken Hand hält er ein Zepter.

Abb. 1: Die Figuren links vom Portal




Abb. 2: Die Figuren rechts vom Portal





Abb. 3: Der Verführer





Rechts vom Portal (siehe Abb. 2) ist der verführerische Fürst in den Stein gemeisselt . Von einem seitlichen Blickwickel kann man seinen nackten Rücken erkennen, der von Ungeziefer übersät ist.

Abb. 4: Der Rücken des Verführers




Ganz rechts kann man eine törichte Jungfrau sehen. Sie neigt ihren Kopf neckisch in Richtung des Verführers, während sie ihr Kleid öffnet. Anders als Kunigunde trägt sie keinen Schleier.


Die Figuren auf der rechten Seite stehen ganz klar symbolisch für Lasterhaftigkeit, Freizügigkeit und Blasphemie. Sie sollen  den Betrachter mahnen, gottesfürchtig und rein zu bleiben.

Text: Sunniva Bedoe und Dorothea Wiebecke

Fotos: Tim Altermatt, http://www.altbasel.ch/dossier/heinrich_II.html (Abruf 05.05.2015)



Der Grabstein von Celio Secundo Curione

Celio Secondo Curione wurde am 1. Mai in Turin geboren. Er stammte aus einer Adelsfamilie. Seine Eltern starben beide bereits sehr früh. Weil er die aufkommende reformierte Kirche unterstützte, wurde er 1542 von der katholischen Kirche vorgeladen. Doch er flüchtete in die Schweiz. In Lausanne bekam er eine Stelle als Lehrer. Er wurde aber wieder gekündigt, da er eine Affäre mit einer Schülerin hatte. Daraufhin zog er nach Basel. Er war dort Professor für Rhetorik, Herausgeber und Übersetzer bis an sein Lebensende. Nur eins von insgesamt sechs seiner Kinder, die er mit seiner Frau Margherita gezeugt hatte, lebte länger als er. Nach seinem Tod wurde Celio Secondo Curione neben seinen bereits verstorbenen Kindern im Basler Kreuzgang begraben.

Die Grabinschrift, lateinisch-griechisch-hebräisch, finden wir sehr rätselhaft. Verbesserungsvorschläge (in den Kommentaren) sind herzlich willkommen!


Joshua von Orelli


Orion



Auf der linken Seite des Basler Münsters gibt es eine Skulptur, die einen Jäger darstellt. Dieser bläst in ein Horn und steht mit einem Bein auf einem kleinen Hügel, unter dem sich ein Hase versteckt. Er trägt einen Mantel, der in der Taille mit einer Kordel fixiert ist. In der rechten Hand hält er einen Keule.
Es gibt verschiedene Thesen, die sich mit der Bedeutung des Duos beschäftigen. Die erste besagt, dass der Jäger als Orion zu verstehen ist. Orion ist ein Jäger in der griechischen Mythologie. Eine andere besagt, dass der Jäger den Teufel darstellt, und der Hase wird als eine von ihm verfolgter Seele interpretiert. Diese These stammt aus dem Christentum. Bei Marienabbildungen wird der Hase als Anspielung auf die Fruchtbarkeit gesehen.

Text: Aurélie Schmiedlin, Lorène Mohn, Estelle Speich

Foto: Tim Altermatt

Bernoulli-Grab

Jakob Bernoulli I.                        

(6. Januar 1655–16. August 1705 in Basel)

Er war einer der bedeutendsten Schweizer Mathematiker und Physiker. Bernoulli hat wesentlich zur Entwicklung der Wahrscheinlichkeitstheorie, der Variations-rechnung und zur Untersuchung von Potenzreihen beigetragen.
Wünschte sich angeblich eine Logarithmische Spirale auf seinem Grabstein, da er intensiv daran arbeitete. Aus unerfindlichen Gründen wurde jedoch eine Archimedische Spirale in den Stein gemeisselt – wahrscheinlich war für die andere einfach kein Platz gewesen …







Emanuel Nertz




Der Fall Valens Mucapora

Das für normale Bürger unzugängliche Lapidarium beherbergt ebenfalls seine Schätze. Doch nur denen, die den Schlüssel zu dieser unterirdischen Sammlung besitzen (oder ihn sich am Kiosk des Basler Münsters ausleihen) ist es vorbehalten, uralte Gedenktafeln und sogar Fragmente der ehemaligen römischen Stadtmauer zu studieren. Dabei ist besonders die äusserst verkommene und dem Sohn des Mucapora gewidmete Steintafel äusserst lesenswert. Sie wurde in der heutigen Rittergasse Nr. 4 gefunden. Auf lateinisch geschrieben steht auf ihr zu lesen:

D(is) M(anibus) VALENTIS MV
CAPORE FIL(ii)
ANN(orum) XIII MV
CAPORA VETE
RAN(us) PAT(er) P(onendum) C(uravit)


Eine von einem Basler Wissenschaftler angefertigte Übersetzung, die neben dem Grabstein angebracht ist, macht uns den Text im 21. Jahrhundert verständlicher:

Den Manen/Totengeistern des Valens, Sohn des Mucapora
13 Jahre alt,
Hat Mucapora, der Veteran, Sein Vater,
(diesen Stein) setzen lassen

Nur 13 Jahre lang weilte der junge Valens Mucapora auf der Erde. Über den Valens selbst ist kaum etwas bekannt, dafür hat man bis heute schon einiges über seinen Vater in Erfahrung gebracht. Dieser war unter dem Namen Veteranus Mucapora bekannt und lebte gemeinsam mit Valens im 2. Jahrhundert nach Christus. Er stammte von einem indogermanischen Volk des Balkans, den sogenannten Thrakern. Veteranus Mucapora diente in der römischen Armee, zunächst in einer Hilfstruppe in Germanien, anschliessend liess er sich bei Augusta Raurica nieder, wo er allem Anschein nach einen Sohn zeugte, den er vermutlich nach einem höheren Offizier benannte: Valens. Die Mutter bleibt das fehlende Glied in der Familie; es gibt keine weiteren Überbleibsel der Familie Mucapora aus Augusta Raurica. Und so bleibt der Grabstein das letzte Relikt, das sie vor der Vergessenheit bewahrt.
Tim Altermatt


Quelle: http://www.zora.uzh.ch/86431/1/hartmann_%282013%29_die_epigraphische_kultur_der_r%C3%B6mischen_kolonie_augusta_raurica.pdf