Samstag, 28. Februar 2015

Sappho

so aktuell, dass sie selbst Teenie-Magazine* inspiriert:



*wobei rookiemag natürlich besonders lustig und schlau!


Quelle: http://www.rookiemag.com/2015/02/rabble-rousers/

Latein hält jung …

Mit 73 noch 26jährige ähm abschleppen? Kein Problem für Lateinkenner …


Hm.

Lassen wir ihn vielleicht doch lieber singen.




Freitag, 13. Februar 2015

Noli timere regina linguarum!

Der Medienwissenschaftler Rudolf Neumeier hat in der Süddeutschen Zeitung vom 10./11.1. 2015 ein schönes Plädoyer für das liebe Latein geschrieben:



Wer in Nordrhein-Westfalen Geschichte unterrichten will, braucht wohl bald nur noch rudimentäre Lateinkenntnisse. Und die Frage ist, wie man diese Kenntnisse überhaupt noch nachweisen kann. Vielleicht mit einer simplen Frage: Was bedeutet „Cui bono"? A) Meine Güte; B) Wo ist der Knochen?; C) Wem nützt es?

Wem nützt es, was bringt das - das ist immer die Frage, wenn es um Latein geht. Dabei könnte man die Frage auch mal ganz unvoreingenommen stellen: Was verlieren wir, wenn wir diese Sprache aufgeben? An deutschen Gymnasien wird es in Zukunft immer mehr Sprachlehrer geben, die nie die lateinische Grammatik kennengelernt haben. Das sehen sogar Lernpsychologen kritisch, die Latein distanziert betrachten. Ein Historiker aber, der Caesar, Tacitus und die Skandalgeschichten des Sueton nur vom Hörensagen kennt, und ein Philosoph, dem Ciceros „De re publica" zu schwer war, sind so arm dran wie ein Sportlehrer, der seiner Klasse den Handstand beibringen soll, obwohl er selbst nie im Leben eine Kerze hinbekommen hat. Solche Sportlehrer gibt es nicht? Richtig. Aber solche Geschichtslehrer soll es künftig geben. Bildung wird offenbar einfacher. Und vor allem: billiger zu haben.
Wer die Sprache, die manche Bildungsbeschleuniger gerne auf den Sperrmüll der Wissensgesellschaft werfen würden, selber einmal mühsam gelernt hat, vergisst sie nicht. Sie bleibt lebendig und präsent, auch wenn man vieles wieder vergisst, was man nicht täglich nutzt. Weit oben in einem abgelegenen Regal zu Hause stehen noch immer die 25 Jahre alten Lateinbücher, ein Ordner enthält Kopien aus der Oberstufe. Leistungskurs Latein. Als die Kopien noch frisch waren, rochen sie nach Spiritus. Ein Hauch davon lässt sich heute noch erahnen.
Man wirft seine Bildung nicht einfach so ins Altpapier. Was das Hirn nicht mehr in Einzelheiten gespeichert hat, muss wenigstens griffbereit herumliegen. Und den Kindern könnte es ja auch mal helfen, was der Vater in der Schule ... Sie sollen einmal Latein lernen, sofern sie es aufs Gymnasium schaffen.
Sollen sie wirklich? Warum eigentlich? Wegen des spiritus, was im Lateinischen für Geist, Atem, Mut und Schwung stehen kann, für das Leben also. Und wegen Seneca! Wegen Catull und Horaz! Wegen Cicero! Sogar wegen Sueton, des alten Schmierfinks, und wegen all der anderen Geistesgrößen, die sich vor 2000 Jahren mit grundlegenden Fragen des menschlichen Zusammenlebens im Politischen wie im Intimen beschäftigten und das alles - wie die alten Griechen - sehr präzise und stilsicher in Worte fassten. Über Jahrhunderte hinweg zählten diese Schriften, die Ideen, die Erkenntnisse, die Rechtsvorschriften und die Liebesgedichte zur Grundlage jeglicher höherer Bildung. Braucht dieser grandiose Wissenskosmos wirklich noch eine Rechtfertigung? Offensichtlich immer wieder.
Latein wankt. Ihren Nimbus hat die Sprache eingebüßt, als Psychologen zu Beginn des vorigen Jahrhunderts das alte Diktum als Trugbild entlarvten, wonach das Lateinlernen die Intelligenz positiv beeinflusse, indem es das logische Denken fördere. Vor einigen Jahren stellten Lernforscher fest, dass Schüler beim Erlernen von Fremdsprachen auch dann Erfolge erzielen, wenn sie nicht auf Latein als erste Fremdsprache aufbauen. Auch damit hatten Altphilologen lange Zeit geworben.
Immerhin ist seit einer Studie von Elsbeth Stern und Ludwig Haag auch das verbrieft: dass sich Lateinunterricht positiv „auf das Konstruieren deutscher Sätze sowie auf das buchstabengetreue Lesen von Texten" auswirke. Das Ergebnis deckt sich mit jeder laienhaften Feldforschung: Mit wem man auch spricht über gute und schlechte Erfahrungen mit dieser alten Sprache - fast alle, die es vor dem Eintreten der Pubertät lernten, berichten von grammatischen Erweckungserlebnissen.
Latein erzeugt etwas ganz Wunderbares: Sprachgefühl. Stilsicherheit. Die Möglichkeit, Texte wirklich zu durchdringen. Vielleicht sogar so etwas wie eine gewisse Strenge im Ausdruck. Wer Latein verstanden hat, braucht von selbsternannten Grammatikpäpsten wie Bastian Sick garantiert keine Denkhilfe. Im Denken des Autors löste die Auseinandersetzung mit der 2000 Jahre alten Sprache einst eine kleine Revolution aus. Die sechs Casus, die Verbmodi Indikativ, Konjunktiv und Imperativ, dann Passiv und Aktiv - plötzlich hatte jeder Satz auch im Deutschen eine Struktur. Sprache war von da an ein System, noch dazu ein sehr klares. Laut Stern/Haag bilden Schüler mit Latein als erster Fremdsprache komplexere Sätze als Schüler, die kein Latein hatten oder erst später lernten. Und sie formulieren mit größerer Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit.
Ha, da haben wir's doch, könnte man sagen, Latein ist nützlich! Wer aber allein nach dem Nutzwert fragt, ist bei Latein falsch. Man muss anders an die Sache herangehen, dann sprechen die klassischen Autoren heute noch zu uns: Sie kennen die menschlichen Schwächen genauso wie die seltenen Fälle von Heldenmut. Sie sind elegante Erzähler, immer gut für einen hintersinnigen Witz, eine ironische Betrachtung, einen klugen Gedanken.
Nehmen wir nur Seneca, gestorben im Jahr 65 nach Christus, Philosoph, Erzieher des späteren Kaisers Nero. Als Kaiser Claudius starb, der ihm schlichtweg zu dumm war, schrieb Seneca eine Satire auf den vertrottelten Toten: „Apocolocyntosis" die Verkürbissung. Das Satiremagazin Titanic trat vor 25 Jahren kaum gehässiger auf als Seneca vor 1961 Jahren. Dabei war Seneca ein konservativer Knochen. Politisch vom Typ Gauweiler, philosophisch eine Klasse für sich. Seneca schrieb den Satz „Non vitae sed scholae discimus" einem Kollegen, der ihm wie die anderen römischen Philosophen seiner Zeit schwer auf den Geist ging. „Nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir": Das Originalzitat richtet sich gegen all jene, die nur gescheit daherreden. Der Satz war eine Anklage: „Jungs, was ihr da zusammenlabert, bringt höchstens euer Ego weiter und eure belanglose Gelehrsamkeit. Findet lieber heraus, was das Leben besser macht!"
Das ist eine, wenn nicht sogar die Aufgabe der Geisteswissenschaften - jener Wissenschaften, die Utilitaristen auf den Geist gehen. Auf ihren ökonomisch ausgerichteten Geist. Der ist nicht verwandt mit dem spiritus aus den Lateinbüchern. Dieser hält eine kritische Distanz zu den Dingen, weil er jeden Satz kritisch hinterfragt, was manchmal auch lästig sein kann.
Wer diese Sprache lernen will, muss eine Reise in die Vergangenheit antreten. Genau genommen war Latein ja seit der Antike mehr tot als lebendig, weil es mehr geschrieben als gesprochen wurde. Menschen wie Karl der Große, Petrarca oder Erasmus von Rotterdam hielten es am Leben. Die Renaissance reanimierte die humanistischen Ideale der Antike. Eine Renaissance der Renaissance gab es in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Langsam kam das Land zur Besinnung und entdeckte den Humanismus wieder. Die Nazis hatten das Gegenteil davon verkörpert, das war klar. Aber als Humanist musste man sich auch nicht immerzu damit auseinandersetzen - es gab ja noch das Schöne, Erhabene, die wahren Werte. Vor allem in Krisenzeiten war es wohltuend, die grausame Gegenwart mit der gediegenen Klassik zu tauschen: Die Klassiker spendeten Trost.
Dennoch verlor die Sprache in den deutschen Gymnasien ihre Selbstverständlichkeit. Wer in den Achtzigern aufs Gymnasium ging, ließ sich vom nächstbesten Akademiker in der Familie erläutern, was Latein noch alles bringe. Wenn der nicht gerade ein marxistischer Humanisten-Verächter war, kamen die üblichen Argumente: logisches Denken, gut für Jura und Medizin, Basis für andere Sprachen. Doch der Patenonkel sagte auch: „Bist du humanistisch gebildet, schaust du anders auf die Welt. Dann verstehst du die Menschen und das Leben ein bisschen besser. Das steigert deine Chancen im Beruf." Offenbar denken manche Eltern ähnlich, mehr als 700’000 Gymnasiasten lernen in Deutschland immer noch Latein.
Jener Patenonkel sprach wie die meisten Latein-Befürworter von der Mutter aller Sprachen. Ein Irrtum. Nie war Latein die mater linguarum, schon gar nicht des Deutschen und des Englischen. Hätte sie eine Mutterrolle, wäre sie in der Ahnenreihe der Sprachgeschichte längst eine Urururgroßmutter und damit so unbedeutend wie das Althochdeutsche, das Mittelenglische und andere Entwicklungsstufen. Latein ist regina, die Königin der Sprachen. Die Mutter liebt man, der Königin huldigt man. Kein Wunder, dass manche Lateinlehrer abgehoben wirken.
Wer sich mit Latein beschäftigt, lernt das Einmaleins europäischer Geistesgeschichte, und nicht nur das. Wie Mathematik ist es auch ein Durchdringungs- und Übungsfach. Latein und Mathe gelten als Äquivalente in der Gymnasialpädagogik. Niemand käme auf die Idee, Kindern schon in der ersten Klasse der Grundschule Taschenrechner in die Hand zu drücken, um ihnen das mühsame Erlernen der Grundrechenarten zu ersparen. Ähnlich verhält es sich im Lateinischen: Es muss erarbeitet werden. Vokabel für Vokabel, Satz für Satz, Text für Text, These für These. Da hilft auch kein Abkupfern auf einschlägigen Lernseiten im Internet. Diese Sprache lässt sich nicht von den Dichtern und Denkern und deren geistigen Erzeugnissen trennen. Und umgekehrt. Cicero-Sätze wollen geknackt werden wie Geometrie-Aufgaben, Epigramme von Catull und Horaz sind auszuknobeln wie Gleichungssysteme in der Algebra. Ist eine Lösung gefunden und geht sie auch auf, kann das glücklich machen. Wobei Catull als Liebesdichter in den letzten 2000 Jahren sowieso mehr Hormone mobilisiert hat als alle Infinitesimalrechnungen dieser Welt. Wer's nicht glaubt, sollte einmal nach „Odi et amo" googeln.
So altmodisch Latein ist, so altmodisch ist auch das, was es nebenher vermittelt: Disziplin. Das Büffeln und Üben erfordern ungleich mehr Ausdauer, als auf eine Bioklausur zu lernen. Wer Latein nebenbei lernt, bleibt höchstwahrscheinlich auf der Strecke. Der Lateinunterricht belohnte uns mit guten Geschichten: Im Gegensatz zum Englisch-Unterricht, wo die Sprache noch im vierten Jahr mit Sam-Cooke-Songs eingeübt wurde, redeten wir in Latein schon im zweiten Jahr über Diogenes. Und der Urzyniker Diogenes mit seinem Fass war dann doch eine andere Spielklasse: kompromittiert den mächtigsten Mann der Welt, Alexander den Großen, der ihm einen Wunsch freistellt. „Wäre schön, wenn du mir aus der Sonne gehen würdest", sagt er. Wer darüber hinaus von seiner Lehrerin Ciceros Schriften zur Rhetorik analysiert bekam, kann bei Vorträgen flippiger Kommunikationstrainer nur müde lächeln.
Was also verlieren wir, wenn Latein nur noch von einer kleinen Elite verstanden wird, wenn die Sprache, die Europa geprägt hat, irgendwann nur noch lauwarmes Wikipedia-Wissen ist, ein Steinbruch für Zitatesammler und eine Domäne der Fachexperten, die immer alles besser wissen? Wir verlieren einen Schatz, der unser Denken bereichert und unser Sprachgefühl steigert. Wir kappen einen Teil unserer historisch-kulturellen Wurzeln, weil wir das Gefühl haben, dann freier für andere Wissensgebiete zu sein, aber das ist in sehr vielen Fällen eine Illusion. Manchmal ist es besser, wenn man nicht den Weg des geringsten Widerstands geht.
Das gilt vor allem in der Bildung, sie ist ohne Anstrengung nicht zu haben, aber wer sie erworben hat, darf sich glücklich schätzen. Lang lebe der Geist, der noch immer seine Kraft entfaltet, lang lebe Latein!


* Fürchte dich nicht, Königin aller Sprachen!


Sic!
Lateinische Zitate sind mit Vorsicht zu gebrauchen. Manchmal verraten sie über den, der sie verwendet, mehr, als er mit ihnen sagen wollte. Zwischen Asterix und Ovid liegen doch noch ein paar Welten.
Alea iacta est. Kommt bei Asterix mehrmals vor, unter anderem in „Asterix auf Korsika", wo Verleihnix' Sohn in Römerkleidung andere Kinder attackiert, stammt aber laut Plutarch von Caesar.
Carpe diem. Seit dem Film „Club der toten Dichter" in aller Munde. Besonders bei Möchtegern-Epikureern.
Expressis verbis. „Ausdrücklich". Lieblingsfloskel von Franz Josef Strauß, der gerne mal gelehrt wirken wollte.
Gutta cavat lapidem non vi, sed saepe cadendo. Ovid für Ambitionierte. Klingt doch nicht so gouvernantenhaft wie „Steter Tropfen höhlt den Stein", oder?
Mea culpa. Schuldbekenntnis, inzwischen auch oft im Sinne von „Sorry, das habe ich verbockt" verwendet. Gilt aber nur, wenn man sich beim Klopfen gegen die Brust eine Rippe bricht.
Nihil obstat. Das schreibt der Vatikan, wenn er keine Einwände gegen eine Personalentscheidung hat. Kann man aber auch auf die Frage „Trinken wir noch ein Bier" verwenden.
Pecunia non olet. Geld stinkt nicht abgeschmackte Kapitalisten-Ausrede.
Quod erat demonstrandum. Klassischer Besserwisser-Spruch für Leute, die das letzte Wort haben wollen.
Servus. Habe die Ehre.
Sic! Mit diesem „so und nicht anders" dokumentiert man seihe Schlaumeierei, wenn man auf Besonderheiten in Texten hinweisen will.
Tempora mutantur. Verkürzte Floskel von Kulturpessimisten, die den zweiten Teil (nos et mutamur in illis) weglassen, weil sie nicht wahrhaben wollen, dass sich die Menschen mit der Zeit ändern.

zum Originalartikel bitte umblättern (und Bilder rausziehen und grossklicken)

Donnerstag, 12. Februar 2015

Remix: Hektor und Hektor und Andromache Andromache


Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, Hektors Abschied von Andromache, 1812,
Niedersächsisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte,
(Bildquelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Hektors_Abschied_von_Andromache_%28Tischbein%29.jpg)


Ilias statt Skifahren! Die 'Daheimbleiber' der Klassen 3ABCD haben die Abschiedsszene zwischen Troias Helden Hektor und seiner Frau Andromache neu erfunden, und das ging so: ein Vergleich zwischen der deutschen Übersetzung von Wolfgang Schadewaldt und der Filmszene aus Wolfgang Petersens Troia-Film von 2004 zeigt, dass im Film doch ziemlich viel Wichtiges weggefallen ist.

Was machen wir? Ein neues Skript. Nein, neun neue Skripte! In verschiedenen Farben! Und alle miteinander verwurstet. Auf den ersten Blick sind die Skripte sehr ähnlich, auf den zweiten gibt es ziemliche Unterschiede. Ergebnis: jeder Leser der Ilias schneidet anders mit. Keiner hat denselben Text …


Auf der nächsten Seite findet Ihr 
- den originalen Ilias-Text in der Übersetzung von Wolfgang Schadewaldt
- die Filmszene aus Wolfgang Petersens 'Troja'
- die neun Skripte ineinander verschachtelt, in verschiedenen Farben.





Montag, 9. Februar 2015

Apotheon

Ein neues Videospiel mit Vasen-Ästhetik wie einst in Disneys Hercules (aber besser :)



APOTHEON


hier der Trailer: