Mittwoch, 28. November 2012

Küchenlatein!




Hier eine Sammlung von lustigen Sprüchen, nicht ganz jugendfrei (NSFW)!

1.    Nunc habemus endiviam.
2.    Caesar equus consilium.
3.    Caesar ora classis Romana.
4.    Deus pax ora lege lectis.
5.    Ovum, ovum, quid lacus ego!
6.    Rex pullex in Africam et multum in plus.
7.    Unus ignis quis caput vir multum ab audere et clamabat: “Studium fuga, meum prohibere!”

Zweite Variante, sieht aus wie Latein:

8.    Si taus vilat einisses abanet!
9.    Die te cane is caput.
10. Diecu rentum denserum.
11. Ergo tamen amor genitus emnestus.
12. Hirundo maleficis evoltat. bzw. Hirundo maleficis avoltat
13. Oxdradium
14. Vener laus amoris, pax, drux, bis goris.
15. Datis apis potus colonia

Dieser hier ist auf Englisch zu übersetzen:

16. Semper ubi sub ubi!

Auflösungen auf der nächsten Seite ...






Advanced Level: Sieht aus wie Griechisch, klingt wie Französisch ...

Οὐκ ἔλαβον πόλιν - ἀλλὰ γὰρ ἐλπὶς ἔφη κακά.




Bildquelle: http://www.tvprogramm.sf.tv/img/pool/2/c/4/9/2c49457c-a1de-434b-a1bf-e69f2bd90329_detail.jpg

Pyramus und Thisbe - ein Fund im Basler Münster


Die Geschichte von Pyramus und Thisbe stammt aus Ovids Metamorphosen. Es ist eine der bekanntesten Geschichten, auch berühmt geworden durch die eher komödiantisch interpretierte Fassung der Geschichte in William Shake-speares Sommernachtstraum. Auch Romeo und Julia weist einige Ähnlichkeiten mit der Geschichte auf. Im Basler Münster sind die Kapitelle im Chorraum mit mythischen Motiven geschmückt, eines davon zeigt die Geschichte von Pyramus und Thisbe. 

Pyramus ist ein sehr schöner Jüngling, Thisbe ein sehr schönes Mädchen. Sie sind Nachbarskinder und kennen sich gut. Als sie älter werden, entflammt die Liebe zwischen ihnen. Doch die Väter verwehren die Ehe und trennen sie voneinander. Doch die Wand zwischen ihrer beiden Häuser hat einen Spalt, wie die Liebenden bald merken. So tauschen sie ihre Worte aus, aber auch nur für Küsse ist der Spalt zu klein. Eines Nachts beschließen sie heimlich die Häuser zu verlassen und sich beim Grab des Ninus zu treffen. Thisbe kommt als erste und setzt sich am Fuß des dort stehenden Maulbeerbaumes.

Da nähert sich eine Löwin, die gerade ein Rind gerissen und so ein blutverschmiertes Maul hatte. Thisbe flieht, verliert aber ihren Schleier. Die Löwin findet diesen und zerfetzt ihn, Thisbe versteckt sich in einer Höhle. Als Pyramus eintrifft und den Schleier im blutverschmierten Maul der Löwin gewahrt, denkt er, dass Thisbe tot sei und nur er selbst das zu verschulden hat. Er tötet die Löwin, wie auf dem Kapitell zu sehen ist:



Daraufhin stürzt er sich aus Schmerz und Scham in sein eigenes Schwert. Das Blut spritzt empor bis zum Maulbeerbaum und färbt die weissen Früchte schwarz. Als Thisbe sich aus der Höhle traut, findet sie ihn sterbend unter dem Baum. Sie bricht in Tränen aus und fleht die Götter an, dass die Früchte des Maulbeerbaumes für immer schwarz sein sollen, als Erinnerung an die zwei Liebenden.




Der Selbstmord des Pyramus auf dem 800jährigen Kapitell ist für moderne Betrachter nicht einfach nachzuvollziehen - es sieht aus, als schwebe der Körper einfach in der Luft. Klarer wird der Fall, wenn man antike Darstellungen zum Vergleich heranzieht: offenbar war es möglich, ein Schwert mit dem Griff nach unten in den Boden zu rammen und sich im wahrsten Sinne des Wortes ‘hineinzustürzen’ – wie man hier auf verschiedenen antiken Darstellungen des mythischen Selbstmörders Aias sieht:


Rotfigurige Vase des Exekias,
ca. 530 v. Chr.,
Schlossmuseum Boulogne-sur-Mer



Etruskische Vase, ca. 400-350 v. Chr.,
British Museum







  • Altgriechische Tonfigur,
    Carlsberg Glyptothek, Kopenhagen









Ein bisschen kurios wird die Sache auf dem Münsterkapitell allerdings, als sich Thisbe ebenfalls tötet,  um wenigstens im Tod bei ihrem Pyramus zu sein:



Dem Bildhauer war die ordentliche Anordnung der Körper auf seinem Kapitell offensichtlich wichtiger als naturalistische Wahrscheinlichkeit ...

Wie dem auch sei: die Götter waren so gerührt von Pyramus' und Thisbes Liebe, dass sie Thisbes Bitte erhörten und der Maulbeerbaum als Andenken an diese Geschichte bis heute schwarze Beeren trägt.


(Und was macht eine antike Liebesgeschichte in einer christlichen Kirche ...?)


Text: Elisa Bösch





Bildquellen:
Basler Münster: Fotos von Elisa Bösch
Exekias-Vase: 
http://www.google.ch/imgresq=aias+suicide&hl=de&client=safari&sa=X&tbo=d&rls=en&biw=1188&bih=657&tbm=isch&tbnid=P9PXIFFDP2mH2M:&imgrefurl=http://www.classics.uiuc.edu/courses/clcv114/overheads_oct_20.html&docid=ph2CYfGukQpF2M&imgurl=http://www.utexas.edu/courses/larrymyth/images/postwar/CG-Ajax-Suicide-Exekias.jpg&w=1200&h=938&ei=3720UJiTEKai4gTdu4D4CQ&zoom=1&iact=rc&dur=190&sig=102231815098498568655&page=1&tbnh=136&tbnw=166&start=0&ndsp=22&ved=1t:429,r:5,s:0,i:100&tx=82&ty=92
Griechische Tonfigur: 
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ny_Carlsberg_Glyptothek_-_Aias_stürzt_sich_ins_Schwert.jpg
Etruskische Vase: http://en.wikipedia.org/wiki/File:Ajax_suicide_BM_F480.jpg

Dienstag, 20. November 2012

Fatale Schönheit


BLIND GOSSIP-RÄTSEL

Hin und wieder stellen wir unter dieser Rubrik neue Stories
aus dem Leben der sechzehn-jährigen Anchinoia (griech.
Ἀγχίνοια: Beobachtungsgabe) aus Athen vor. Sie ist die
Tochter des reichen Atheners Andreias. Gleichzeitig habt ihr,
die Leser, die Aufgabe ihr zu helfen!



16.00 Uhr, außerhalb Athens, Landsitz meiner Tante

ἀμήχανος!

Dies neu von meiner Tante
Eine Frau, die jeder kannte
Groß war ihre Schönheit
Und deshalb auch der Streit
Zwei Männer warben um sie
Doch eine Wahl hatte sie nie
Als schönste Frau der Antike
Zog sie auf sich alle Blicke

Könnt ihr mir helfen?

φίλημα,

Ἀγχίνοια

Text: Sophie Flammer und Ilsabe Wiebecke

Dumb Ways to Die



Dieser unbestritten fantastische Internetfund lässt ein paar antike Todesfälle vermissen, die ebenfalls einen Darwin Award verdient hätten ... so soll der Tragödiendichter Aischylos bei einem Strandspaziergang von einem hungrigen Adler getötet worden sein – genauer: von einer Schildkröte, die dieser Adler auf seine Glatze fallen liess (die er für einen Felsen hielt), um sie aufzubrechen (so berichtet Valerius Maximus, 9.12. ext. 2). Aischylos' grosses Vorbild Homer, Verfasser von Odyssee und Ilias, starb ebenfalls am Meer: eine Schar Fischerbuben stellte ihm das sogenannte ‘Läuserätsel’ ("je mehr wir davon fangen, desto weniger tragen wir nach Hause"); der Geistesriese konnte es nicht lösen und starb angeblich vor Ärger (so Heraklit, fr. 56). Dabei macht sich Homer selbst über einen Todesfall aus Dummheit lustig: im elften Buch der Odyssee trifft sein Held Odysseus in der Unterwelt auf seinen Gefährten Elpenor, der ihm davon berichtet, wie er verkatert vom Dach des Hauses der Zauberin Kirke gestürzt ist – aus Vergesslichkeit, wie es scheint ...

"Eines Dämons schlimmer Fluch und ein Weinrausch verdarb mich.
Hingelagert auf Kirkes Halle war mir entfallen,
wieder zur breiten Treppe zu gehn und hinunterzusteigen,
sondern ich stürzte ihr gegenüber vom Dach, und heraus brach
mir aus den Wirbeln der Hals, und die Seele fuhr nieder zum Hades."
(Übersetzung von Kurt Steinmann)

Text: Katharina Wesselmann

Freitag, 2. November 2012

Mädchenschule?


BLIND GOSSIP-RÄTSEL

Hin und wieder stellen wir unter dieser Rubrik neue Stories aus dem Leben der sechzehnjährigen Anchinoia (griech. Ἀγχίνοια: Beobachtungsgabe) aus Athen vor. Sie ist die Tochter des reichen Atheners Andreias. Gleichzeitig habt ihr, die Leser, die Aufgabe ihr zu helfen!





8.00 Uhr, Athen, Villa Andreias:

μήχανος! Heute Morgen lief ich am Megaron vorbei. Ich hörte die Stimmen meiner Eltern, die sich stritten. Den Grund dafür erfuhr ich schnell: Hinter einer Säule lauschend, verfolgte ich das Streitgespräch. Natürlich handelte es wieder von mir!
Mein Vater fuhr meine Mutter an: “Anchinoia geht nach Lesbos, BEI ZEUS!”
Mutter: “Willst du sie wirklich zu diesem Schandweib schicken?!”
Vater: “Ihre Schule gehört zu den Besten für Mädchen!”
Darauf rannte Mutter aus dem Megaron und ich verzog mich, um nicht entdeckt zu werden. Seit dem frage ich mich, zu wem Vater mich schicken will ...

Könnt ihr mir helfen?

PHILÄMATA POLLA

ANCHINOIA

Text: Sophie Flammer, Ilsabe Wiebecke

Wandmalerei aus Pompeji, Neapel, Museo Archeologico Nazionale, ca. 60 n. Chr.
Quelle: http://www.ecoles.cfwb.be/argattidegamond/cartable%20musical/Xenakis/XenakisExtrait2.html